Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat ein Eckpunktepapier gegen Liefer-
engpässe von Arzneimitteln vorgelegt. Neben begrüßenswerten Regelungen wie die
Verpflichtung der Krankenkassen, im Rahmen von Rabattverträgen das Kriterium „Anteil
der Wirkstoffproduktion in der EU“ zu berücksichtigen, enthält das Eckpunktepapier auch
einen Engpass-Bonus für Apotheken.
Für Arzneimittel, für die eine versorgungskritische Lage festgestellt wurde und für die die
Apotheke eine Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt halten muss, wird den Apotheken
eine Aufwandspauschale in Höhe von 50 Cent zugestanden. Dazu Manfred Saar, Präsident
der Apothekerkammer des Saarlandes: „Wir begrüßen es grundsätzlich, dass sich die Politik
nun endlich der katastrophalen Zustände bei den Lieferengpässen mit lebenswichtigen
Arzneimitteln annimmt. Die Krankenkassen zu verpflichten, bei Rabattverträgen den Anteil
der Wirkstoffproduktion in der EU zu berücksichtigen, und damit wieder mehr Anbieter aus
Europa in die Versorgung einzubinden, ist eine jahrelange Forderung der Apothekerschaft.
Die Maßnahme entfaltet aber, wenn überhaupt, erst mittelfristig Wirkung. Kurzfristig wäre es
erforderlich, dass Apotheken mit maximaler Flexibilität auf die Lieferengpässe reagieren
können. Dem ist aber leider nicht so. Im Gegenteil: Für die Apotheken, die seit Monaten mit
großem Engagement und Aufwand die Lieferengpässe managen und somit die Menschen
zuverlässig mit Arzneimitteln versorgen, hat das Ministerium nur Hohn und Spott übrig. Jede
Apotheke soll laut Ministerium genau 50 Cent für jedes erfolgreich gefundene
Austauscharzneimittel bekommen – aber nur, wenn es vorher als versorgungskritisch
eingestuft wurde und die Apotheke mit der Arztpraxis Rücksprache gehalten hat, was
natürlich entsprechend zu dokumentieren ist. Wir bekämpfen in Deutschland akute
Lieferengpässe mit noch mehr Bürokratie. Flexibilität, Übertragung von Verantwortlichkeiten
auf die Leistungserbringer, kurze Wege vor Ort, das alles sind Fremdwörter für Karl
Lauterbach. Dass 50 Cent den teils stundenlangen Arbeitsaufwand nicht einmal ansatzweise
bezuschussen, versteht sich von selbst, ist aber in Hinblick auf die Tatsache, dass
Lieferengpässe mit einem mehr an Bürokratie bekämpft werden sollten, fast schon
nebensächlich. Gerade jetzt an den Feiertagen zu Weihnachten und Neujahr, wo Nacht- und
Notdienste für die Apotheken noch zusätzlichen Stress bedeuten, kann kein Apotheker und
keine Apothekerin verstehen, wie solch ein Cent-Aufschlag die Versorgungssicherheit
stabilisieren oder gar verbessern soll. Wenn in den nächsten Tagen alle Apotheken das
Lieferengpassmanagement einstellen und keine Mühe mehr auf die Suche nach
Ersatzpräparaten verwenden würden, müssten Politik und Kassen zusehen, wie die
Arzneimittelversorgung in Deutschland zusammenbricht.“
gez.
Manfred Saar
(Präsident)
Apothekerkammer des Saarlandes